Wer tschechische Unternehmen als Kunden oder Partner gewinnen möchte, stellt sich früher oder später dieselbe Frage: Welche Form der Kontaktaufnahme ist erlaubt? Die DSGVO ist kein generelles Verbot der Kaltakquise – sie regelt aber nur, ob Sie einen Kontakt verarbeiten dürfen. Ob Sie ein Angebot per E-Mail senden dürfen, entscheidet das tschechische Gesetz Nr. 480/2004 Slg., und das verlangt eine vorherige Einwilligung auch gegenüber Unternehmen.
Dieser Artikel ist eine Information zum Stand 11.10.2026 und keine Rechtsberatung. Für Ihre konkrete Situation wenden Sie sich an eine Rechtsanwältin, einen Rechtsanwalt oder Ihre Datenschutzbeauftragten. Für Absender aus Deutschland kann zusätzlich deutsches Recht gelten, das hier nicht behandelt wird.
Unternehmensdaten und personenbezogene Daten
Die DSGVO schützt natürliche Personen, keine juristischen Personen. Firmenname, tschechische Identifikationsnummer (IČO), Sitz und allgemeine Kontaktangaben einer Gesellschaft sind daher grundsätzlich keine personenbezogenen Daten.
Anders ist es bei namentlich genannten Personen: Die Adresse jan.novak@firma.cz ist auch im B2B-Kontext ein personenbezogenes Datum. Gleiches gilt für Einzelunternehmer: Name, Geschäftsanschrift und Telefonnummer identifizieren eine natürliche Person. Eine Firmendatenbank liegt deshalb nie „außerhalb der DSGVO“ – behandeln Sie jeden Export so, als enthielte er personenbezogene Daten.
Berechtigtes Interesse als Rechtsgrundlage für Telefon und Post
Wer personenbezogene Daten für die Ansprache verarbeitet, stützt sich in der Regel auf das berechtigte Interesse nach Art. 6 Abs. 1 lit. f DSGVO. Erwägungsgrund 47 erkennt an, dass Direktwerbung ein berechtigtes Interesse sein kann. Die Verarbeitung muss einen dreistufigen Test bestehen:
- Zweck: Verfolgen Sie ein konkretes geschäftliches Interesse, etwa ein passendes Angebot für eine klar umrissene Zielgruppe?
- Erforderlichkeit: Ist die Verarbeitung dieser Daten dafür tatsächlich nötig?
- Abwägung: Überwiegt Ihr Interesse die Rechte und vernünftigen Erwartungen der betroffenen Person?
Halten Sie das Ergebnis in einer Interessenabwägung fest. Je gezielter die Ansprache – eine Branche, eine Region, ein passendes Angebot –, desto eher besteht sie den Test. Zusätzlich müssen Sie die Betroffenen nach Art. 14 DSGVO informieren, wenn Sie Daten nicht bei ihnen selbst erhoben haben, und einen Widerspruch nach Art. 21 DSGVO sofort beachten.
E-Mail-Werbung: in Tschechien nur mit Einwilligung – auch an info@
Das berechtigte Interesse nach der DSGVO berechtigt nicht zum Versand eines Angebots per E-Mail. Für kommerzielle Mitteilungen auf elektronischem Weg gilt § 7 des Gesetzes Nr. 480/2004 Slg. über bestimmte Dienste der Informationsgesellschaft: Sie sind nur mit vorheriger Einwilligung des Empfängers zulässig.
Das Gesetz unterscheidet nicht zwischen natürlichen und juristischen Personen als Empfängern. Nach Auslegung der tschechischen Datenschutzbehörde ÚOOÚ ist ein E-Mail-Angebot ohne vorherige Einwilligung auch dann eine unerbetene kommerzielle Mitteilung, wenn es an eine allgemeine Firmenadresse wie info@ geht. Die Behörde stellt das in ihren häufig gestellten Fragen zum Gesetz Nr. 480/2004 Slg. (Tschechisch) klar: An eine öffentlich zugängliche Adresse darf ohne Einwilligung keine kommerzielle Mitteilung gesendet werden (Frage 10), und das Gesetz unterscheidet nicht nach der Art des Empfängers (Frage 25). Auch eine E-Mail mit der Bitte um Einwilligung ist nicht zulässig (Frage 13).
Eine Ausnahme gilt für eigene Kunden nach § 7 Abs. 3: Wer mit Ihnen einen Vertrag geschlossen hat, darf Mitteilungen über eigene ähnliche Produkte oder Dienstleistungen erhalten, solange er dem weiteren Versand einfach und kostenlos widersprechen kann.
E-Mail-Adressen in einem gekauften Export dienen daher nicht dem Versand. Sie eignen sich zum Ergänzen und Prüfen der eigenen Daten, zum Abgleich mit bestehenden Kunden und für einzelne, sachliche Korrespondenz, die die Gegenseite wünscht.
Telefon und Post
- Telefon: Für Nummern aus dem öffentlichen Telefonverzeichnis gilt § 96 des tschechischen Gesetzes über elektronische Kommunikation – Werbeanrufe sind nur bei Teilnehmern zulässig, die dies im Verzeichnis ausdrücklich erlaubt haben. Für Nummern aus anderen öffentlichen Quellen gilt diese Regel nicht, die DSGVO aber weiterhin: Sie brauchen eine Rechtsgrundlage, müssen sagen, wer anruft und woher die Nummer stammt, und einen Widerspruch beachten.
- Post: Ein Brief ist kein elektronisches Mittel; das Gesetz Nr. 480/2004 Slg. gilt dafür nicht. Die Verarbeitung der Anschrift richtet sich nach der DSGVO. Wer widerspricht, wird nicht erneut angeschrieben.
Praktische Regeln für Telefon, Post und LinkedIn
- Relevanz zuerst: Sprechen Sie nur Unternehmen an, für die Ihr Angebot objektiv sinnvoll ist.
- Quelle offenlegen: Sagen Sie, woher Sie den Kontakt haben, zum Beispiel aus einem öffentlichen Register oder einem gekauften Export.
- Widerspruch respektieren: Führen Sie eine Sperrliste und gleichen Sie neue Listen damit ab.
- Keine Täuschung: Absender und Anliegen müssen klar erkennbar sein.
- Dokumentieren: Bewahren Sie Interessenabwägung, Auswahlkriterien und Datenstand auf.
Wann eine Einwilligung unumgänglich ist
- Sie möchten ein Angebot per E-Mail oder SMS an jemanden senden, der nicht Ihr Kunde ist;
- Sie möchten Werbeanrufe an eine Nummer aus dem öffentlichen Telefonverzeichnis richten, deren Teilnehmer dies nicht erlaubt hat;
- Sie sprechen Verbraucher an, keine Unternehmen.
Wie Sie die passenden Unternehmen auswählen, beschreibt B2B-Kontakte für tschechische Unternehmen finden; die Zahl der Einträge mit Telefon und E-Mail je Branche zeigt die Übersicht der Branchenexporte (Tschechisch).